Der Anfang

Nach weniger als einem Jahr waren die bürokratischen Hindernisse überwunden:

Wir, Drei in Alter, Typ und Herkunft unterschiedlichen Schweizer Bauern übernehmen zusammen einen russischen Landwirtschaftsbetrieb ausserhalb der Stadt Kaluga, rund 180 Kilometer südwestlich von Moskau.

100 Milchkühe, 150 Stück Nachzucht, einen Boxenlaufstall, verschiedene weitere Gebäude, einen alten Maschinenpark und einen Hofplatz mit einer Fläche von 6 Hektaren zu gleichen Teilen in Eigentum. Rund 300 Hektaren Land mussten wir zupachten, da es Ausländern in Russland weiterhin verwehrt bleibt, Boden ausserhalb von Wohn- und Industriezonen käuflich zu erwerben.

Erster Kontakt für unser «Abenteuer» hatten wir auf der «Schweizer Bauer» Leserreise. Die Aufgabe, eine abgewirtschaftete Kolchose mit unserem Wissen über moderne Rindviehhaltung, Futterbau und Betriebsführung zu «managen», hat uns gereizt, nach dem wir noch andere «Betriebe» besichtigt hatten.

Im Januar 2004 reichten wir die Offerte für den im «Schweizer Bauer» ausgeschriebenen Betrieb Schweizarskoije Moloko (übersetzt: Schweizer Milch) ein. «Der Direktverkauf der Markenmilch und die Nähe zu den Märkten wie Moskau und der aufstrebenden Stadt Kaluga selber haben den Ausschlag gegeben» dass das Unternehmen gelingen kann. Am 27. April 2004 wurden wir von Nicolai Ermakov, dem Direktor der Schweizer Stiftung Kaluga, welche den Betrieb aufbaute, herzlich empfangen, ebenso von unserem zukünftigen Personal: zwei Direktoren, fünf Brigadeleitern und 25 Angestellten.

An der Organisationsstruktur des Betriebes haben wir am Anfang nichts geändert. Auf einen Dolmetscher und viel Vertrauen angewiesen, versuchten wir zuerst, die Effizienz zu steigern und bei den Russen die Freude am Futterbau und am Vieh zu wecken. Zuerst haben wir Kunstwiesen und Mais für eine gute Futtergrundlage angesät. Schon am Anfang planten wir, dass der Betrieb auf 200 Kühe aufgestockt werden soll. Dafür wollten wir 70 tragende Schweizer Rinder importieren, was sich leider im nachhinein als nicht machbar heraus stellte, denn der Import von Lebendvieh aus der EU und der Schweiz ist seit ca 2 Jahren wegen BSE nicht möglich.

Die Parole heisst «Piriot», zu Deutsch «Vorwärts», bis heute haben wir unseren Entscheid nicht bereut und wir drei schauen mit zuversicht in die Zukunft, auch wenn der Alltag nicht so in geordneten Bahnen läuft wie wir es aus der Heimat gewohnt waren….